Mein Langsam arbeitender Schüler

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Originalartikel: The Gospel Centered Mom
Übersetzt: Alexandra

Mein langsam- arbeitender Schüler

Gestern erzählte mir eine Freundin, dass ihre Tochter ihre Schulaufgaben viel zu langsam bearbeitet. Sie meinte, ihre Tochter wäre auch nicht schneller, selbst wenn ihr Leben davon abhänge.  Ich verstehe das sehr gut. Ich habe auch so einen langsamen arbeitenden Schüler.
Was mich, als seine Mutter und Lehrerin, dabei aber wirklich frustriert ist, dass ich weiß, dass er es besser kann. Ich habe es selbst gesehen. Der Lehrstoff fällt ihm überhaupt nicht schwer. Er ist einfach nur extrem langsam.

Dabei spielt es keine Rolle, ob du mit deinen Kindern die Hausaufgaben machst oder ob du homeschoolst. Es ist einfach sehr anstrengend, wenn ein Kind extrem langsam arbeitet. Vielleicht geht es dir ja ähnlich wie mir und du hast keine Zeit ( oder Kraft oder Geduld oder Lust) drei Stunden lang neben deinem Kind zu stehen und Druck zu machen. 

Lasst uns gemeinsam schauen, wie wir dieses Problem lösen können. 
Hier sind sieben Ideen,  wie du deinen langsamen Schüler motivieren kannst und dich selbst davor bewahrst verrückt zu werden ;) 

1. Verbindung zum echten Leben herstellen

Ein Grund, warum es den Kindern an Motivation mangelt, ist, dass sie nicht wissen, warum sie lernen. Es fühlt sich sinnlos an. Als Erwachsene verstehen wir das natürlich viel besser. Wie können wir unseren Kindern helfen zu verstehen, wie sich so etwas wie ein wöchentliches Rechtschreibtraining auf ihre Zukunft auswirken wird?

Ich verknüpfe oft die Schularbeiten meines 9-jährigen Sohnes mit der realen Arbeit. Ich sage ihm, dass seine Mathe-Hausaufgaben ein Inventarblatt von seinem Chef sind. Er muss es vor den anderen Mitarbeitern ausfüllen, damit er den Bonus verdient.
Wenn er nicht schnell genug arbeitet, wird er gefeuert.
Das ist aufregend für meinen Sohn, denn er kann es kaum erwarten, in die Arbeitswelt einzusteigen. Und manchmal muss ich ihn tatsächlich feuern. Ihm fällt dann die Kinnlade runter, wenn ich sage "Du bist gefeuert. Tut mir leid, du warst zu langsam."
Dann gebe ich ihm die Möglichkeit, sich erneut für den Job zu bewerben, aber er muss mich im Interview davon überzeugen, dass er ein schneller Mitarbeiter ist. Ich bin ein netter Lehrer, aber ein wirklich strenger Chef.

2. Timer

Ein Timer ist eine großartige Möglichkeit, etwas Zeitdruck zu machen, ohne dabei Frust entstehen zu lassen. Denn Frustration ist schnell sehr hoch, wenn die Eltern immer wieder fragen: "Bist du schon fertig?" Der Timer macht das für uns, aber ohne die knirschenden Zähne. Zuerst hasste mein Sohn den Timer.
Es war ihm zu viel Druck. Also übergab ich ihm die Kontrolle darüber. Ich sagte ihm: "Du hast drei Seiten die in einer Stunde fertig sein müssen. Du entscheidest, wie viel Zeit Du für jede Seite verwenden möchtest und stellst den Timer selbst ein." Er fand das viel besser. Es übte immer noch gewissen Druck aus, aber er fühlte sich mehr in der Lage, seine Zeit kontrollieren zu können.

Auch die Kleinen können das tun, auch wenn sie keine Zeit haben. Sie können dir helfen, die Knöpfe zu drücken und zu sagen: "Auf die Plätze, fertig, los!"
Es vermittelt ihnen Zeitmanagement in jungen Jahren. Wenn das Klingeln des Timers für deine Kleinen zu stressig ist, verlängere die Zeit einfach, damit er nie wirklich klingelt. Schon alleine der bloße Anblick eines Timers könnte ausreichen, um sie zu motivieren etwas schneller an ihren Schulaufgaben zu arbeiten.

3. Strichliste

Als ich noch als Grundschullehrer arbeitete,  klebte ich kleine Haftnotizzettel auf die Tische meiner langsamen Schüler. Ich übertrug ihnen die Verantwortung, sich jedes mal, wenn sie abgelenkt sind einen Strich zu geben.
Es mag sich nach einem seltsamen Konzept anhören, als würde man unseren Kindern sagen, sie sollen auf sich selber zeigen und schimpfen.
Aber die Kinder liebten es, für sich selbst verantwortlich zu sein.
Am Anfang musste ich ein paar Mal an ihren Schreibtischen vorbeigehen und leise auf die Haftnotiz tippen, um sie daran zu erinnern, sich selbst einen Strich zu geben. Aber sie haben es sehr schnell selbst gelernt.

Am Ende des Tages besprach ich mit jedem einzelnen wie viele Striche sie bekommen haben. Wir sprachen darüber, warum sie abgelenkt wurden und was sie beim nächsten Mal besser machen könnten.
Ich hielt es positiv und ermutigte sie, ihre Punktzahl am nächsten Tag zu übertreffen. Die Striche halfen ihnen zu verstehen, wie oft sie abgelenkt wurden.

Kinder erkennen ihre eigenen schlechten Gewohnheiten nicht, wenn wir sie ständig darauf hinweisen. Wir werden zu einer kaputten Schallplatte, wir rauschen nur noch im Hintergrund. Aber wenn wir ihnen beibringen, selbst nach diesen schlechten Gewohnheiten zu suchen, werden sie sie sie viel schneller erkennen und daran arbeiten, sie zu reparieren.

4. Körperliche Aktivität

In den Körpern unserer Kinder ist so viel los. Wachsen ist anstrengend. Manchmal werden sie abgelenkt, nur weil sie hippelig sind. In einem Haus voller Jungs habe ich gelernt, dass der Schlüssel darin liegt, zuerst die hippeligen Beinchen und die wuseligen Köpfchen zu trainieren.

Wenn mein Sohn sich hinsetzt, um seine Schulaufgaben zu machen, und er seinen Kopf sofort auf den Tisch legt, weiß ich, es wird ein harter Kampf. Also sage ich: "Geh fünf Runden laufen und komm zurück." Es ist eigentlich keine Strafe, aber manchmal fühlt es sich so an.
Das ist ok. Es ist eine Win-Win-Situation, denn nach dem Laufen, kommt er erfrischt und arbeitsbereit zurück. Wenn ich ihn darauf hinweise, dass er  laufen gehen soll, aber er auf keinen Fall möchte, dann kann er sich plötzlich gut konzentrieren und taucht in seine Arbeit ein, um zu beweisen, dass er es nicht nötig hat ein paar Runden zu laufen.

5. Stück für Stück

Wenn Kinder überfordert werden, schaltet sich ihr Gehirn ab. Das merke ich, wenn ich ihnen sage, sie sollen ihre Zimmer aufräumen. Sie schauen sich im Raum um und alles, was sie sehen, ist ein riesiger chaotischer Haufen. Sie wissen nicht, wo sie anfangen sollen, also mischen sie einfach herum und werden abgelenkt, anstatt zu putzen. Aber wenn ich ihnen beibringe, wie man das Chaos in mundgerechte Stücke zerlegt, arbeiten sie schneller.

Die gleiche Strategie gilt für die Schularbeit. Anstatt meinem Sohn zu sagen, dass er eine ganze Grammatikstunde machen soll, sage ich: "Mach den oberen Teil und sag mir, wenn du fertig bist." Das fühlt sich für ihn viel erreichbarer an. Dann bearbeiten wir einen weiteren Abschnitt und einen weiteren, bis die Lektion fertig ist.

Kinder lieben Bilder. Schnapp dir ein Stück Papier und ein Streichholzschachtel-Auto. Zeichne eine einfache Rennstrecke mit Abschnitten. Lassen Sie Ihr Kind das Auto jedes Mal bewegen, wenn es ein mathematisches Problem, ein Rechtschreibwort, etc. beendet hat. Kinder lieben es, ihre Fortschritte zu verfolgen. Sie sind viel motivierter, an der Aufgabe festzuhalten, wenn sie auf dem Weg dorthin kleine Erfolge erkennen können.

6. Belohnungen und Konsequenzen

So weit wie möglich versuche ich, Belohnungen mit dem wirklichen Leben zu verbinden. Zum Beispiel sage ich meinem 9-Jährigen, dass er, wenn er seine Schulsachen beendet hat, mehr Zeit zum Spielen hat. Das ist keine besondere Belohnung, sondern einfach die Realität.
In der realen Welt der Erwachsenen haben wir mehr Freizeit, wenn wir konzentriert bleiben und unsere Arbeit erledigen.

Was ist mit den Konsequenzen? Versuche auch hier, Konsequenzen mit der realen Welt in Beziehung zu setzen. Manchmal, wenn ich feststelle, dass mein langsamer Schüler Konzentrationsschwierigkeiten hat, mache ich eine Ankündigung für alle Kinder: "Wer die Seite beendet hat, auf der er sich befindet, kann einen Snack zu sich nehmen und seine Lego-Zeit beginnen."
Auf diese Weise weiß mein langsamer Schüler genau, was er verpassen würde. Es ist eine echte, konkrete Konsequenz.

7. Haltung

Alle oben genannten Strategien lassen sich in einem Wort zusammenfassen: Haltung. Wie unsere Kinder über ihre schulische Arbeit denken, bestimmt ihre Motivation. So weit wir können, wollen wir ihnen helfen, positiv über ihre Schularbeit zu denken. Manchmal beginnt das damit, dass man zugibt, dass es schwierig ist.

Ein gängiger Satz an unserem Schultisch lautet: "Es ist okay, zu kämpfen, aber es ist nicht okay, sich zu beschweren." Wenn mein langsamer Schüler mir sagt, wie schwer es ist, konzentriert zu bleiben, sage ich: "Ich weiß, dass es schwer ist. Es ist schwer, Dinge zu tun, die wir nicht mögen - für mich auch! Aber das ist eine Chance, Ausdauer zu üben. Jedes Mal, wenn du durchhältst, wirst du ein wenig stärker für das nächste Mal."

Einige Kinder sind von Natur aus selbst motiviert und andere nicht. Glücklicherweise kann man Selbstmotivation lernen. Wenn du dich anstrengst, es deinen Kindern beizubringen, während sie jung sind, werden sie dir später danken.

Den Originalartikel findet ihr bei The Gospel Centered Mom , mit freundlicher Genemigung von Sarah Wallace

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